Anja Wellnitz

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Mein Name ist Anja Wellnitz und ich bin am 11.Oktober 1988 geboren und im schönen Osnabrücker Land zu Hause.

Seit meinem 10. Lebensjahr sitze ich im Sattel. Vorher hatte ich nichts mit Pferden am Hut. Aber still und leise wuchs die Faszination Pferde näher kennenzulernen und als der Anruf kam, es gäbe noch einen Platz in der Reitschule, wollte ich unbedingt mit dem Reiten anfangen.

Anfänglich ganz zufrieden, kam dann doch der Wunschtraum eines kleinen Mädchens ein eigenes Pferd zu besitzen, doch dieser Traum erfüllte sich erstmal nicht. Ich bin rückblickend über diese Entscheidung so dankbar, auch wenn ich es als Kind nicht verstehen wollte, denn mit dem Wissen von heute weiß ich, dass ich mit dem Pferd nicht fair umgegangen wäre. Also blieb es vorerst beim Reiten der Schulpferde in konventionellen Reitställen in der Umgebung, bis ich irgendwann mein erstes Pflegepferd bekam bis dies verkauft wurde und ich dann meinen Barny als Pflegepferd bekam.

Als ich meine Ausbildung zur Erzieherin beendete und arbeitete, erfüllte ich mir meinen Traum eines eigenen Pferdes und so kam es, dass ich  Barny kaufte. Das war der Moment, der mein Leben und auch die Einstellung dem Lebewesen Pferd gegenüber, veränderte.

Pferde sind die besten Lehrmeister und es entwickelte sich eine unbeschreibliche Liebe und Freundschaft zum Pferd, wie ich es  zuvor nicht kannte. Sie entwickelte sich zunächst langsam, denn das Umdenken kam Schritt für Schritt auf Grund verschiedenster Ereignisse, die mich um viele Erfahrungen reicher werden ließen. Die aber schwierigste Frage war:  Wie gehe ich mit dem Partner Pferd eigentlich fair um, denn ein Pferd ist ein Lebewesen, wie du und ich, was einen liebevollen Umgang mit Respekt verdient. Was bedeutet für mich eigentlich „fair“ sein?  Die ersten Erfahrungen im „Natural Horsemanhip- Bereich“, machte ich bei einer Freundin und Trainerin Karin Schomas mit ihrem treuen Begleiter Blue Boy.  Frei von Halfter oder Zaumzeug standen ich und mein Barny im „Klassenzimmer“ und ich lernte frei mit meinem Pferd über Körpersprache zu kommunizieren und Signale meines Pferdes zu beobachten, wahrzunehmen und zu deuten. Weitere Kurse bei verschiedenen Trainern halfen mir, diese Kommunikation zu verfeinern und so setzte sich Puzzleteil für Puzzleteil das Bild vom „fairen Umgang mit dem Pferd“ zusammen.

barny hand

Nach dem Stallwechsel lernte ich dann Branco kennen und es kommt ja so oft vor, dass man die Dinge nicht plant und so entschied das Schicksal, dass ich ihn auch kaufte, noch im selben Jahr, wie ich Barny gekauft hatte.

Nach einem weiteren Stallwechsel, weg vom traditionellen Pensionsstall in einen Offenstall wurde dies zu meiner Berufung. Wer hätte gedacht, wie sehr meine Pferde mit diesem Schritt mein Leben verändern würden? Als nun Selbstversorger eines „eigenen“ Stalls nahm der Weg seinen Lauf. Viele neue Erfahrungen ließen mich wachsen und dazu lernen. Ich hätte glaube ich nie so viel über Pferde gelernt, wenn ich nicht jahrelang alles selbst gemacht hätte.

Da die Umstände es nun hervorriefen, mussten wir die Herde teilen, denn der Barny durfte auf Grund seines Stoffwechsels und der Gesundheit halber nur wenig und ein Jahr sogar gar kein Gras zu sich nehmen. Natürlich brauchte er auf „seiner Hälfte“ aber noch eine Freundin. Zufällig suchte die Lotta gerade ein neues zu Hause.

Perfektes Timing. Sie zog dann auch schon ziemlich schnell bei uns ein. So entstand mein Trio.

Es blieb auch erstmal einige Jahre bei dem Trio und ich fand endlich meine weitere Berufung in Sachen Pferdeausbildung. In Kommunikation und Natural Horsemanship war ich nun schon recht gut informiert und liebte es über feine Hilfen und Körpersprache in Freiarbeit oder mit dem Clickertraining mit meinen Pferden zu kommunizieren. Motivierte Pferde an meiner Seite zu haben, die Spaß an der Arbeit haben, ist mir ein wichtiger Punkt. Besonders der Branco hat mich diesbezüglich viel gelehrt, vor allem Geduld. Denn er kam als ein Häufchen Elend mit Depressionen als gerade mal Dreijähriger in meine Hände. Immer wieder frage ich mich noch heute, wie man ihm in so kurzer Zeit so viel Leid zufügen konnte, dass ich ihn nicht mal mehr mit dem Halfter auf die Wiese führen konnte, da er mit seinen vier Beinen fest am Boden angewurzelt, den Kopf im Sand hängend und mit der Lippe wackelnd da stand und dachte ich würde ihn gleich verprügeln. Er hat mir wohl am Meisten gelehrt, was Geduld und Vertrauen bedeutet. Diese hat sich bis heute ausgezahlt und ich bin sehr stolz, wenn ich nun sehe, wie sich sein Selbstbewusstsein gestärkt hat. 

Nun überlegte ich, wie ich ihm von Grund auf an das Reiten wieder schmackhaft machen kann. Von neuem anzufangen. Diesmal pferdegerecht und Schritt für Schritt alles umlernen, neu erlernen, diesmal ohne Angst. So führte mich der Weg zu der Akademischen Reitkunst. Ich war wohl zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und sah Marius Schneider vom Gestüt Moorhof sein Pferd reiten. Was soll ich sagen? Ich war verzaubert, von dem Anblick mit welch feiner Kommunikation er sein Pferd ritt. Ich brauchte mehr Informationen und schmiss zu Hause erstmal den Computer an. Ein paar Wochen später war hatte ich dann meine erste akademische Reitstunde bei Ralph Schmitt bei mir am Stall. Ich wusste dies wird ein langer Weg für uns, aber ich wusste auch, dass es sich sehr lohnen wird sich auf diesen Weg zu begeben.  Jetzt, viele Jahre später, habe ich ein Pferd, was ich wieder reiten kann, was von Grund auf alles neu gelernt hat, Schritt für Schritt und das für ihn der einzig richtige Weg war und ist. Ich danke Carina und Marius vom Gestüt Moorhof sehr, dass sie mir so viel gelehrt haben und immer noch lehren und ich nun mein Pferd tatsächlich wieder reiten kann. Ich bin nun seit mehreren Jahren alle paar Wochen zum Unterricht und zur Ausbildung vor Ort. So kommt nun auch der Xeique ins Spiel. Auf Grund einer längeren Krankheitsphase des Bewegungsapparates meinerseits, war das einzige was ich noch ohne Schmerzen konnte, reiten. So fuhr ich jede Woche zum Gestüt Moorhof und erhielt Sitzschulung und Unterricht auf dem Lehrpferd Xeique vom Meister der akademischen Reitkunst und abwechselnd bei der Branderuptrainerin Carina vom Gestüt Moorhof. Ein ganz neues Gefühl ein so ausgebildetes Pferd reiten zu dürfen und zu fühlen, wo der Weg mit meinen Pferden hinführen wird. (Ich kann es nur immer wieder jedem empfehlen sich mal auf so einem Pferd eine Reitstunde zu gönnen und fühlen zu lernen, was reiten wirklich bedeutet und wie es sich anfühlt, wenn ein Pferd seinen Rücken aufwölbt. Wir Menschen sind nunmal Erfahrungslerner und haben ein besseres inneres Bild im Kopf, wenn wir es zuvor erfahren haben.) Wie das Schicksal es so wollte wurde ich gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte den Xeique zu kaufen. Er ist ein Pferd was auf längere Sicht hin gesehen, eben doch eine Person für sich und eine abwechlunsreiche Arbeit braucht. Sein Besitzer wünschte sich für ihn jemanden, der auch mal mit ihm ins Gelände geht oder Freiarbeit macht und eben nicht nur Schulparade um Schulparade von ihm verlangt, die er nunmal in Perfektion beherrscht. Voller Ehrfurcht vor diesem Angebot nahm ich es schließlich an (wie hätte ich auch nein sagen können? 😀 ) und im Februar 2019 ist Xeique  schon 2 Jahre bei mir.

Er ist ein Goldschatz, nicht nur wegen seiner Farbe, er hat einen tollen Charakter und wurde in seinem Leben einfach so gut behandelt, dass er in sich so ein Vertrauen in Menschen hat, weil er nichts schlechtes erlebt hat. Ein völliges Gegenteil zu Branco und es ist wirklich wunderbar mit ihm zu arbeiten. Er ist auch einfach ein „Arbeitstier“, so sind die Lusitanos und er hat einfach Spaß an der Bewegung und braucht die Bewegung ebenso für seine Psyche. Ich lerne sehr viel von ihm, weil er eben auch so viel kann und hoffe, dass ich irgendwann sein ganzes Potential ausschöpfen kann, wie „sein Meister“, der ihm die letzten Jahre alles beigebracht hat. Darum fahren wir immer regelmäßig alle paar Wochen zum Moorhof und wachsen immer mehr und mehr zusammen.

Nicht nur dem Branco hat die Reitkunst so gut geholfen, auch dem Barny mit seinem Spat haben das Erlernen der Seitengänge und das Formen seines Körpers so gut geholfen, dass ich ihn noch viele Jahre reiten konnte, trotz der Diagnose direkt nach seinem Kauf, ihn nicht mehr reiten zu können. Auch ältere Pferde haben es mehr als verdient, dass man ihren Körper geschmeidig und fit hält. Aber am Liebsten mag er immer noch seinen Target und die Freiarbeit, auch wenn er beim Schulterherein und Kruppherein immer brummelt und mir mitteilt: „Ich bin sooo gut, hast du das gesehen? Jetzt kriege ich doch wohl einen Keks dafür.“ 😀

Ja, so wurde aus dem Trio meine kleine Viererherde. Und ich freue mich jeden Tag, sie alle bei mir zu haben, auch wenn es viel Arbeit macht, klar, und auch Geld kostet, klar. Umso froher bin ich auch Hilfe am Stall zu haben, dass ich dadurch die Zeit finde, mit all meinen Pferden zu arbeiten. Pferde sind mein Leben und ich habe so viel von ihnen gelernt, ich kenne sie in und auswendig und sie kennen mich genauso in und auswendig. Wir vertrauen uns und ziehen gemeinsam durch’s Leben. Wir sind auf die Zukunft gespannt, wir haben noch einiges vor, aber davon in der Zukunft mal mehr. 🙂

So wurden Pferde meine Berufung und auf Grund einiger Anfragen nach Hilfe habe ich mich vor ein paar Jahren entschieden, mein Wissen weiterzugeben, einfach, weil mir der richtige Umgang mit dem Pferd am Herzen liegt und ich selbst erfahren habe, wie es ist ein Pferd, dem viel Leid zugefügt wurde, wieder zu zeigen, dass es auch anders geht. Ein Umdenken muss immer von einem selber aus seinem Inneren kommen, man kann niemanden überzeugen. Auch das habe ich im Laufe der Jahre gelernt. Aber die, die dazu bereit sind, denen möchte ich von Herzen gerne helfen, das Vertrauen und die Kommunikation zu ihrem Pferd zu stärken, die Sprache des Pferdes zu lernen und so einen Freund für’s Leben zu gewinnen.


***

Sprich mit dem Pferd,
plausche mit ihm wie
mit einem kleinen
Kinde, dann wird
dich das Pferd
verstehen, denn du
wirst darauf achten,
dass deine Gebärden
verständlich seien.

(René Guénon)