Akademische Reitkunst

„Reiten ist Lebenskunst. Wenn Sie sich aufmachen, ein Künstler zu werden, werden sie entdecken, dass ein Künstler nicht länger lebt, aber mehr.“

Pluvinel

Die akademische Reitkunst richtet sich nach den Lehren der alten Meister und führt weit zurück in unser historisches Europa. Bilder, Gemälde, Skulpturen und erste literarische Aufzeichnungen zur Pferdeausbildung reichen weit in unsere vorherigen Jahrhunderte und zeigen uns die Anfänge der Reitkunst. Es gibt eine Vielzahl an Reitliteraten, beginnend mit Xenophon und reicht weit bis ins 19Jh. hinein. Die Reitkunst formte sich in der Frühgeschichte bis zur Renaissance, weiter durch die Zeit des Barocks und Klassizismus. Reiten war nicht mehr nur reiten auf dem Schlachtfeld. Die Waffenreiterei verlor an Bedeutung – Reiten wurde zur Kunst erhoben.

Bent Branderup hat es sich zu seiner Lebensaufgabe gemacht, die „alten Reitmeister“ zu studieren, zu lernen, zu begreifen, zu fühlen, zu verstehen, sich Wissen anzueignen und mit dem Wissen von heute zu kombinieren. Er erweckt die akademische Reitkunst zum Leben, indem er die Meister aufsuchte, die bis dato die Reitkunst am Leben erhielten. Er bildet Pferd und Mensch in der akademischen Reitkunst aus. „Eine Lehre für anspruchsvolle Freizeitreiter“ steht auf dem Titel seines Buches geschrieben.

Branco und ich Handarbeit2

Branco bei der Handarbeit

Warum akademische Reitkunst? 

Es gibt zig Angebote was das Thema Pferdeausbildung betrifft. Ich hatte die Gelegenheit in mehrere Ausbildungsrichtungen zu schnuppern, dass ein oder andere selbst zu praktizieren und war immer ganz gut zufrieden – bis es zu meinem Umdenken kam und ich vieles zu Hinterfragen begann, besonders was die moderne englische Reitweise anging, weil ich mich dort nicht mehr wohl fühlte.
Mal abgesehen vom ganzen Spektrum an Pferdeausbildern (egal welcher Art) versprechen eigentlich alle dasselbe Ziel: Ein harmonischer Umgang, ein freundliches Miteinander, und die Erhaltung der Gesundheit des Pferdes. Leider kann ich für mich diese Ziele nicht in allen Reitweisen wiederfinden. Die Masse der schwarzen Schafe scheint sich auszubreiten, gerade was den heutigen Turniersport angeht.

Xeique und ich2

Als ich, vor ein paar Jahren, zum ersten Mal die Reitkunst sah und live erlebte, fesselte mich der Anblick so sehr, dass er mich nicht mehr los ließ und ich mehr über diese Kunst herausfinden wollte. Doch was berührte so stark mein Herz? Es war die Leichtigkeit. Die Leichtigkeit, wie der junge Reiter mit seinem Pferd über den Boden schwebte, ohne erkennbare Hilfen tanzten sie durch die Bahn. Sie waren eins – Pferd und Reiter und das in einer Natürlichkeit und Vertrautheit, wie ich es mir für jedes Pferd wünschen würde so geritten zu werden. Gerne erinnere ich mich an diesen wundervollen Moment, an dem ich Marius Schneider zum ersten Mal reiten sah.

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 „Wenn ich beginne, ein junges Pferd auszubilden, bemühe ich mich deshalb nicht zuerst um die Schulung seines Körpers, sondern um die Ausbildung seines Geistes. Ich möchte versuchen, seine Freundschaft zu gewinnen. Es soll sich darauf freuen, Zeit mit mir zu verbringen. Wenn es sich nicht auf mich freut, wenn es mir nicht entgegenkommt, mag das Pferd mir zwar gehören, aber es ist nicht „mein Pferd“. Wenn ich sein Ausbilder werden möchte, muss ich zuerst sein Freund sein. Das Pferd muss bereit sein, von mir zu lernen, Dann, und nur dann, kann ich von mir sagen, dass ich sein Ausbilder bin.“ (Zitat aus dem Buch von Bent Branderup – akademische Reitkunst, Cosmos Verlag)

Barny Schulterherein1

Barny im Seitengang Schulterherein

 

Blättert man das Buch von Bent Branderup durch findet man die „Akademische Ausbildungsleiter“. Diese beginnt mit Punkt 1: Die Basis – Horsemanship. Junge Pferde lernen zunächst das Reagieren auf menschliche Körpersprache und umgekehrt. Die Beherrschung der Körpersprache und das richtige Vermitteln der Körpersprache ans Pferd begleitet einen durch die gesamte Ausbildung der akademischen Reitkunst.
Die Leichtigkeit der Reitkunst wurde in langer Zeit mit viel Geduld und Respekt dem Tier gegenüber erarbeitet. Die Einstellung zum Pferd ist respektvoll, vertrauensvoll, liebevoll konsequent. Um auf das Zitat oben zurückzukommen: Ich muss erst der Freund meines Pferdes werden um es „mein Pferd“ nennen zu können. Das Pferd soll sich auf mich freuen, wenn es mit mir zusammen arbeitet.

Die akademische Reitkunst hilft dem Pferd in die Balance zu finden. Durch die Arbeit, z.B. der Seitengänge, wird dem Pferd gelehrt unter den Schwerpunkt zu treten, die Hanken zu beugen, mehr Gewicht auf die Hinterhand zu bringen, um dadurch die Vorhand frei zu machen, sodass die Muskeln und Bewegung des Pferdes gestärkt werden und wir ein bewegliches gesundes Pferd haben, was uns noch bis ins hohe Alter mit einem gutem Gewissen auf seinem Rücken tragen kann. In der Reitkunst wird zwischen Bodenarbeit, Handarbeit, Longenarbeit (Distanzarbeit) und Reiten unterschieden. Die Übungen erstrecken sich bis in die Kunst der „Hohen Schule“, was den „Meistern“ der Reitkunst überlassen wird.

Zu den Zielen der Akademischen Reitkunst geht es hier…

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Barny an der Longe

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Branco in der Handarbeit an der gebisslosen Zäumung, dem Cavemore